Immobilien-Boom ohne Preisblase

Preise sind stabil. HOPF IEG plant ein Neubauprojekt im Süden.

V.l.n.r.: Projektleiter Rainer Ott, Hubertus Nesseler (Geschäftsführer nesseler grünzig gruppe), stv. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen Volker Behr, Klaus Sälzer (Geschäftsführer HOPF IEG) und Günter Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien GmbH. (Foto: Sparkasse) V.l.n.r.: Projektleiter Rainer Ott, Hubertus Nesseler (Geschäftsführer nesseler grünzig gruppe), stv. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen Volker Behr, Klaus Sälzer (Geschäftsführer HOPF IEG) und Günter Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien GmbH. (Foto: Sparkasse)

Im Vorfeld zu ihrer Immobilien-Messe (13. und 14.09.) lud die Sparkasse Essen heute zum Pressegespräch. ‚Boom ohne Blase‘ lautete das Motto. Wer eine Immobilie erwerben will, sollte jetzt zuschlagen. „So günstig wie heute, war es noch nie“, erklärte Volker Behr, stv. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen. Dass beim Gespräch auch Günter Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien, am Tisch sitzt, ist einleuchtend. Aber warum ist unter anderen auch Klaus Sälzer, Chef der HOPF Immobilien-Entwicklungs-GmbH & Co. KG, dabei? Manch einer wird es schon ahnen, der Blick geht gen Rüttenscheid.

„Immobilienpreise sind in Essen stabil“, so der Sparkasse-Vize-Chef Volker Behr. (Foto: Sparkasse)

„Immobilienpreise sind in Essen stabil“, so der Sparkasse-Vize-Chef Volker Behr. (Foto: Sparkasse)

„Ich weiß, ich habe es schon drei- oder viermal gesagt“, räumt Volker Behr lächelnd ein. Aber es stimme: Die Zeiten für den Immobilienerwerb werden immer besser und waren noch nie so gut, wie momentan. Der Immobilienmarkt wächst nicht nur, er boomt. Grund sei der weiter gesunkene Leitzins. Von 2009 bis 2013 ist die Anzahl der Kaufverträge um 22 % gestiegen. Der Kaufpreisanstieg hingegen hat sich nur um 13 % angehobe, was im Rahmen der normalen Inflation liegt. Es sei ein Boom ohne Preisblase, meint Behr. „Essen ist seit vielen Jahren ein weitesgehend preisstabiler Standort. Preissprünge, wie sie in internationalen Metropolen wie London, München in Deutschland oder einigen Städten entlang der Rheinschiene immer festgestellt werden, gibt es in Essen nicht.“ Sicherlich: Wer in Wasserlage, an Ruhr und Baldeneysee, Eigentum erwerben will, muss auch in unserer Stadt tiefer in den Geldbeutel greifen. Im Markt für gebrauchte Immobilien herrsche weitgehend Stabilität. „Ich bin kein Freund von Zinsprognosen, weil ich nach rund 40 Jahren im Bankgeschäft genau weiß, dass Voraussagen gerade in politisch wie wirtschaftlich unruhigen Zeiten immer mit besonderer Vorsicht zu genießen sind. Trotzdem gehen wir nicht davon aus, dass die Zinswende unmittelbar bevorsteht“, so Behr.

Neubauprojekt ‚RÜ NUVO‘

Aber bleiben wir in Wasserlage. In Kupferdreh ist das Neubauprojekt ‚Seebogen‘ erfolgreich umgesetzt worden – und zwar nicht im Alleingang der Sparkasse Essen. Die Geschäftsführer Klaus Sälzer (HOPF IEG) und Hubertus Nesseler (nesseler grünzig gruppe) sowie Projektleiter Rainer Ott spielten tragende Rollen. Der erste Bauabschnitt des ‚Seebogens‘ begann im Juni 2012 und nach zwei Jahren waren alle 46 Häuser und die 35 Wohnungen vermittelt.  „Wenn wir heute auf das Projekt ‚Seebogen‘ blicken, können wir sagen: Alles richtig gemacht!“, erklärt Hubertus Nesseler. „2008 haben wir mit den Planungen begonnen, da ahnte noch keiner den Bankencrash. Zufälle und Schwankungen gibt es immer. Aber wir hätten auch unter anderen Verhältnissen das Projekt umgesetzt.“

Foto: Sparkasse

Foto: Sparkasse

Nun wurden die Medienvertreter aber nicht nur eingeladen, Zeugen des gegenseitigen Auf-die-Schulter-Klopfens zu sein. Im Fokus stand ein neues Neubauprojekt des Trios Sparkasse-Hopf-Nesseler. So mancher mag nun hellhörig werden, denkt man gerade beim Namen HOPF an die Bauprojekte ‚RUE 199‘ und das ‚Quartier 4‘ – beide am Messeparkplatz P2 gelegen, dem Areal, das immer noch zu großen Teilen der HOPF Gruppe gehört. Und tatsächlich: Es dreht sich um die Veronikastraße im Osten von P2. Unter dem Titel ‚RÜ NUVO‘ sollen hier auf 6.000 qm 56 Eigentumswohnungen, untergebracht in vier Gebäuden, entstehen. „Baustart ist im Frühjahr 2015. Im Frühjahr 2017 werden wir dann das Bauvorhaben abschließen“, führt Projektleiter Rainer Ott aus. Die Preisspanne, erklärt Nesseler, habe man mit 250 bis 500 Tausend Euro enggehalten. Zielgruppe sei die Generation 40, Paare und junge Familien, eben jene Zielgruppe mit steigendem Trend zum urbanen Wohnen. Daher seien die Wohnungen auch größer und nicht auf Singles zugeschnitten. Umgekehrt sieht es bei den Penthäusern aus. „Ich formuliere es mal überspitzt: Früher kamen die Bauträger auf uns zu und wollten nur noch Penthäuser bauen – je größer, umso besser. Das darunter wollten sie am liebsten weg lassen“, erläutert Sparkassen-Immobilien-Experte Günter Bergmann augenzwinkernd. „Die Folge der Menge und letztlich auch des Kaufpreises war eine zurückhaltende Nachfrage.“ Mit ‚RÜ NUVO‘ sei man wieder beim Butter-und-Brot-Geschäft. Nur zwei der sieben Penthäuser liegen über 100 qm. „Damit kehren sie zu einer Größe zurück, die viele Kunden anspricht.“

So sieht der Entwurf zu ‚RÜ NUVO‘ aus.

So sieht der Entwurf zu ‚RÜ NUVO‘ aus.

Der Charme des urbanen Wohnens

Zum Projekt gehört auch eine Tiefgarage mit 60 Stellplätzen. Klingt gut, bei 56 Wohneinheiten aber auch wenig, geht der Trend doch zum Zweitauto. „Wir sind ja keine Parkhausbauer“, sagt HOPF-Geschäftsführer Klaus Sälzer. „Natürlich könnten wir mehr – dafür dann aber auch kleinere – Stellplätze schaffen und diese dann auch an die Rüttenscheider Umgebung vermieten. Diese Menschen hätten dann aber auch keinen Bezug zum Objekt.“ Und Hubertus Nesseler ergänzt: „Der Trend zum Zweitwagen ist rückläufig, gerade bei den Menschen, die innerstädtischen wohnen. Alles ist sogar fußläufig erreichbar, das ist ja gerade der Charme des urbanen Wohnens.“ Dafür werden Fahrradstellplätze integriert – jeweils zwei pro Wohneinheit, den Einheiten zugeordnet und strukturiert in eigenen Räumen. Und das ist wichtig, aus Brandschutzgründen. „Von einem Fahrrad geht Brandgefahr aus, von einem Mopped anscheinend nicht“, sagt Sälzer mit einem Lachen.

Die Tiefgarage dient aber auch noch einem anderen Zweck: der Sicherheit. Parkende Autos sind ein Risiko, vor allem für Kinder. „Schon mit dem ‚Quartier 4‘ sind wir mit dem Landespreis NRW für Sicherheit ausgezeichnet worden“, so Klaus Sälzer. „Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter und halten den ruhenden Verkehr komplett aus dem Gelände raus.“ Die Erdgeschosswohnungen verfügen über kleine Privatgärten, außerdem werden im Bauprojekt Spielbereiche integriert. Die ganz Kleinen können sich also ordentlich austoben. Für die größeren Kids habe man im benachbarten ‚Quartier 4‘ bereits ein Spielplatz mit Klettermöglichkeiten geschaffen, so Sälzer. „Und wer sich darüber hinaus noch aktiv betätigen will, dem steht ja auch noch der angrenzende Sportverein zur Verfügung.“

Entwicklung rund um P2

Ist das vielleicht ein gutes Zeichen für den Bolzplatz auf dem P2, dessen Fortbestand immer wieder in der Schwebe stand. Das Gelände gehört ebenfalls der HOPF Gruppe. Pläne, es mit Bauprojekten zu erschließen, darüber wurde schon viel diskutiert. Apropos erschließen – welche Flächen um den Messeparkplatz P2 stehen denn überhaupt noch zum Bebauen der Firma HOPF zur Verfügung? Sälzer: „Dreieinhalb Tausend Quadratmeter im Bereich der Veronikastraße.“ Und die Fläche an der Rüttenscheider Brücke? „Dazu müssten wir Gespräche mit Verwaltung und Messe Essen führen. Aktuell, ohne Gespräche, kann ich dazu nichts sagen.“

Bleibt noch eine Frage offen: Wie viel wird in ‚RÜ NUVO‘ investiert? Sälzer: „20 Mio. Euro.“ Behr: „Ein bisschen mehr schon.“ Bergmann: „22 Mio. Euro.“ Nesseler: „21 Komma.“ Allgemeines Lachen.

Ein Beitrag von Lars Riedel

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